So schaut ’s aus.

D eutschland steht so gut da wie nie, heißt es. Und oft genug sagen uns (scheinbare) Experten, dass es in Bayern sogar noch besser um uns bestellt sei. Wirklich, um UNS?

Nun, wir gehören zu Deutschland, und erst recht zu Bayern. Doch von diesem angepriesenen Wohlstand sehe ich kaum etwas bei uns. Ich will sicherlich nicht alles schlechtreden, was in den vergangenen Jahrzehnten bei uns geschehen ist.

Aber noch viel weniger möchte ich mich dieser Behauptung anschließen. Denn jenseits der Lobhudelei unserer Landesregierung über Chancen und Herausforderungen dieser Zeit gibt es unübersehbar viele Versäumnisse. Nur wird darüber öffentlich nicht gesprochen oder geschrieben, man müsste sich ja selbst Fehler eingestehen. Deshalb möchte ich Ihnen ein Stück Wirklichkeit, unserer Wirklichkeit hier im Woid, anhand von Zahlen und Fakten aufzeigen.

Wir haben Probleme – und die müssen wir anpacken!

BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG

Wir werden immer älter. Das hört sich doch gut an! Auf den ersten Blick. Natürlich, es ist ein Zeichen dafür, dass die medizinische Versorgung insgesamt deutlich fortgeschritten ist. Aber wir werden auch als Gesellschaft immer älter. Und das liegt nicht nur an der steigenden Lebenserwartung, sondern vielmehr daran, dass es immer wenige junge Leute gibt.

Dieses Problem betrifft ganz Bayern, doch sieht man sich die Zahlen für unsere Landkreise Regen und Freyung-Grafenau an, so ist die Vorhersage für die nächsten 20 Jahre alarmierend. Die Altersgruppe, in der Menschen eine Familie gründen und mit ihrer Arbeitskraft für eine gesunde regionale Wirtschaft Sorge tragen, wird bei uns deutlich mehr an Gewicht verlieren als im bayerischen Durchschnitt. Mit ein paar Vorzeigeprojekten werden wir hier nichts mehr ändern. Wir brauchen dringend grundlegende strukturelle Änderungen.

Bevölkerungsveränderung 2012 bis 2030 nach Altersgruppen
  • Regen - unter 18
  • Regen - ab 65
  • FRG - unter 18
  • FRG - ab 65
  • Bayern - unter 18
  • Bayern - ab 65
Detaillierte Bevölkerungsentwicklung für Regen bis 2030

Schieben Sie den weißen Balken hin und her.

Regen,-LK-Bevölkerungspyramiden-2018einzelnRegen,-LK-Bevölkerungspyramiden-2030einzeln
Detaillierte Bevölkerungsentwicklung für Freyung-Grafenau bis 2030

Schieben Sie den weißen Balken hin und her.

Freyung-Grafenau,-LK-Bevölkerungspyramiden-2018einzelnFreyung-Grafenau,-LK-Bevölkerungspyramiden-2030einzeln
Karte: Bevölkerungsentwicklung in Bayern bis 2030

WIRTSCHAFTLICHE FOLGEN

Es steht

100 zu

2015

64

2035

92

Heimspiel. Die zweite Halbzeit hat bereits begonnen und es sind nur noch 17 Jahre zu spielen.

Die Mannschaft der Arbeitnehmer führt noch deutlich, doch das Team Rentner ist drauf und dran, den Anschluss zu erzielen. Es geht um den Klassenerhalt, ein Relegationsspiel gibt es nicht. Bei einem klaren Sieg der Arbeitnehmer gewinnen beide Mannschaften, andernfalls steigen sie von der Bayern- in die Regionalliga der Bedeutungslosigkeit ab. Der oberbayerische Schiedsrichter hätte bereits mehrmals ins Spiel eingreifen müssen, hat nun aber empört den Platz verlassen. Vom Ersatzneutralen aus Franken ist keine bessere Spielleitung zu erwarten. Er kam erst vor wenigen Minuten an, weil der den Sportplatz nicht gefunden hatte. Es bleibt spannend…

Das Thema ist in Wirklichkeit jedoch sehr ernst. Was bedeuten die Zahlen oben? Auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter kommen im Jahr 2015 rund 64 Personen im nichterwerbsfähigen Alter, also Kinder, Jugendliche und größtenteils Rentner (ausgenommen sind hier noch Menschen im erwerbsfähigen Alter, die jedoch zum Beispiel aufgrund von Krankheit nicht arbeiten können). Bis 2035 steigt diese Zahl auf 92.

Wenn sich nichts ändert, verlieren wir das „Spiel“. Und wir, das heißt ganz explizit die Landkreise Regen und Freyung-Grafenau. Während wir 2015 noch ziemlich im bayerischen Schnitt beim Anteil der über 64-Jährigen* lagen, so steigt dieser Wert bei uns um rund 78 Prozent, in Bayern dagegen um 45 Prozent. Dann geht es nicht mehr um Themen wie Breitbandausbau oder Kindertagesstätten, sondern um den Erhalt unserer Heimat überhaupt. Welches Unternehmen soll sich bei uns niederlassen oder investieren, wenn nur noch etwa die Hälfte der Einwohner als Arbeitnehmer zur Verfügung steht? Wem sollen sie ihre Produkte verkaufen, wenn die andere Hälfte zum überwiegenden Teil aus Rentnern besteht? Nicht, dass ich die steigende Lebenserwartung nicht begrüßen würde, das steht ganz außer Frage, aber wir müssen uns auch das Rentenniveau vor Augen halten. Es wird sicherlich einmal ein Punkt erreicht sein, an dem dieses Problem auch der letzte Politiker erkannt hat, doch dann ist es wahrscheinlich schon zu spät. Und die staatlichen Berichte, auf denen diese Zahlen beruhen, liegen bereits seit Jahren vor.

*) gemessen mit dem sog. Altenquotient

Sozial nachhaltig denken muss jetzt heißen, einerseits Probleme eindämmen, auf die wir geradewegs zusteuern, andererseits die Ursachen bekämpfen, weshalb zum Beispiel junge Menschen von hier wegziehen, hier keine Familie gründen und hier keine Arbeit aufnehmen. So kann und darf es nicht weitergehen!

KINDER UND JUGENDLICHE

Ausgehend von folgenden Tatsachen
  • Bevölkerungsrückgang bis 2035 (ab 2015 für Regen: -4,9 Prozent, für Freyung-Grafenau: -2,9 Prozent, für Bayern: +5,4 Prozent)
  • Rückgang der unter 18-Jährigen bis 2035 (ab 2015 für Regen: -12,2 Prozent, für Freyung-Grafenau: -11,9 Prozent)
  • geringere Einwohnerdichte (rund 80 Einwohner für Regen und Freyung-Grafenau pro Quadratkilometer gegenüber 183 im bayerischen Durchschnitt)
müssen wir uns auf schwerwiegende, strukturelle Veränderungen in unserem Schulwesen einstellen, sofern nicht bereits geschehen. Das heißt vor allem: Zusammenlegung und Schließung von Schulen und längere Schulwege. Dem entgegenwirken kann man nur, indem man – also die Regierung – sich einfach damit abfindet, dass die Bildungskosten bei uns strukturbedingt höher sind und folgerichtig die anfallenden Mehrkosten (etwa durch geringere Klassenstärken) trägt.
Obgleich man sich mit hohen Investitionen ins Bildungssystem rühmt, so waren 2017 in Bayern laut GEW Bayern (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) rund 7 500 Lehrkräfte befristet eingestellt. Das sind die Lehrer, die nicht wissen, ob sie im folgenden Schuljahr wieder eingestellt werden; keine Planungssicherheit, keine Grundlage für die Familienplanung oder eine dauerhafte Existenzgründung. Es geht hier ausschließlich um Kostensenkung.
Zitat aus „Prognose zum Lehrerbedarf 2017
Seit dem Jahr 1990 nahmen die Geburtenzahlen ab und erreichten im Jahr 2011 einen Tiefststand von 103 668 Lebendgeborenen. Somit wurde sogar das historische Minimum aus dem Jahr 1978 (106 045) unterschritten. In den kommenden Jahren ist mit einem sanften Anstieg der Geburtenzahlen zu rechnen, bevor sich gegen Mitte des nächsten Jahrzehnts wieder ein moderater Rückgang einstellen wird.
Die Entwicklung der Geburtenzahlen überträgt sich auf die Schülerzahlen sämtlicher Schularten, wenn auch aufgrund unterschiedlicher Altersjahrgänge zeitlich verschoben.

Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

Unter 3-Jährige in Tageseinrichtungen 2015
Regen (15,6 %)
FRG (15,1 %)
Bayern (25,4 %)
Wir Bayern betonen gerne unsere wirtschaftliche Stärke und schöne Natur im Freistaat. Dennoch schaffen wir es aktuell nicht, eben diese Stärke zu nutzen, um eine lebendige Gesellschaft – für Familien mit Kindern und Jugendlichen – in den naturnahen Gebieten wie bei uns sicherzustellen.

Do feid’s doch!

ALTER UND PFLEGE

Lebende Geschöpfe dürfen wir nicht wie Schuhe, Töpfe und Pfannen behandeln, die wir fortwerfen, wenn sie vom Dienst abgenutzt und abgetragen sind.

Plutarch von Chäronea (45 - 120), griechischer Philosoph, Historiker und Konsul von Griechenland

Bereits angesprochen habe ich die wirtschaftlichen Folgen der Alterung der Gesellschaft. Nun, man kann versuchen, dem entgegenzuwirken, indem wir unsere Region für Junge und Erwerbstätige attraktiv machen. Damit verändern wir aber lediglich die relativen Anteile. Wir dürfen aber nicht vergessen, uns um unsere Alten zu kümmern; deren absoluter Anteil bleibt unverändert.

Pflege fällt in erster Linie in die Hoheit des Bundes. Hier ist man bereits auf dem richtigen Weg, mit dem Pflegestärkungsgesetz und den Ergebnissen des Koalitionsvertrages von 2018.

Unser Freistaat ist aber auch in der Pflicht. Ausgehend vom Erhebungsjahr 2013 steigt der Anteil der Pflegebedürftigen Menschen in Regen um 5,4 Prozent und in Freyung-Grafenau sogar um 7,0 Prozent (Bayern: 3,5 Prozent), was ohne speziell darauf ausgerichtete Maßnahmen bei uns bis 2030 zu einem Pflegermangel von rund 16 Prozent führen wird (Bayern: 6,5 Prozent).

Weitere relevante Aspekte möchte ich an dieser Stelle nur kurz aufzählen, da sie hinlänglich bekannt sind:

  • Ärztemangel auf dem Land
  • Wegfall dezentraler Infrastruktur (z. B. der Laden um die Ecke)
  • mangelnder öffentlicher Nahverkehr

Der Effekt der Alterung der Gesellschaft ist bei uns deutlich stärker ausgeprägt als im bayerischen Durchschnitt. Unsere Kommunen können das nicht alleine auffangen. Wir sind auf die Hilfe des Freistaats angewiesen.

Die „ausgedienten“ Menschen auf das Abstellgleis zu stellen, wo sie auf ihren Tod warten, entbehrt jeder Moral. Ja, und auch hier kostet Anstand Geld. Das muss sich unsere Gesellschaft leisten können und wollen. Hier zu sparen ist unmenschlich.

REGIONALE UNTERSCHIEDE

Verfügbares Einkommen pro Kopf 2015

Eine Floskel aus dem politischen Sprachgebrauch: „Nach vorne schauen“. Klar, wohin denn sonst? Hinter uns ist niemand mehr. Wir sind das Schlusslicht beim verfügbaren Einkommen in Niederbayern und auch im ganzen Freistaat reihen wir uns hier ganz hinten ein. Mit rund 3 500 Euro weniger als in Bayern muss bei uns im Durchschnitt jeder Einwohner im Jahr auskommen. Pro Haushalt bedeutet das im Jahr minus 6 500 Euro.

Utopisch wäre es anzunehmen, wir könnten uns in einer solchen Aufreihung im vorderen Mittelfeld platzieren. Damit würde man der Tatsache nicht gerecht werden, dass die Spitzenjobs nun mal in den Ballungszentren wie München oder Nürnberg zu finden sind. Sich aber damit abzufinden, dass es bei uns einfach mal so ist und dass die Unterschiede derart gewaltig sind, das ist sicherlich auch der falsche Ansatz.

Wir solllten uns daran orientieren, was bei uns möglich ist und daran, was sich bei uns bewährt hat. Der digitale Wandel ermöglicht es vielen Arbeitnehmern, den Großteil ihrer Aufgaben von zuhause aus zu erledigen. Und das wird auch zunehmend von den Unternehmen unterstützt. Das ist eine Chance für uns. Der Erhalt und die Förderung des Handwerks ist ein weiteres Ziel, das wir verfolgen müssen. Hochspezialisierte Betriebe, deren Produkte und Dienstleistungen sich durch Qualität und Know-How auch über unsere Landesgrenzen hinweg durchsetzen.

Privathaushalte im Vergleich 2015
Haushalte
(2015)
mit nied­rigem Ein­kommen (?) mit mitt­lerem Ein­kommen (?) mit hohem Ein­kommen (?) durch­schnittliche Kauf­kraft (?)
Regen 52,2 % 31,6 % 16,2 % 42 229 €
Freyung-Grafenau 51,0 % 31,7 % 17,4 % 43 056 €
Bayern 43,7 % 34,4 % 21,9 % 49 184 €
QUALIFIKATION

Hochqualifizierte am Arbeitsort 2015
Regen (5,1 %)
FRG (4,9 %)
Bayern (14,7 %)

Ein Satz, den ich nur zu oft gehört habe: Die Kinder sollen was Gescheites lernen, damit aus ihnen was wird. Was meint man damit?

Eine gute Ausbildung als Grundstock für eine gute Arbeit. Gute Arbeit, dafür muss man etwas können und wissen und dafür sollte man auch gut bezahlt werden.

Was ist dann aber, wenn die Kinder ihre Ausbildung oder ihr Studium erfolgreich abgeschlossen haben? Wo ist denn die passende Arbeit? Leider viel zu oft nicht hier bei uns. Und was bleibt ihnen dann übrig, wenn sie beruflich Karriere machen möchten? Wegziehen. Sicherlich, nicht alle wollen überhaupt bleiben. Aber diejenigen, die möchten, sollen zumindest bleiben können. Dazu müssen wir berufliche Perspektiven schaffen. Wir müssen die Veränderungen verstehen, welche die Zeit im Berufsleben mit sich gebracht hat. Wir müssen darauf reagieren und dürfen nicht stehen bleiben. Das ist unsere Pflicht für die nächste Generation.

Pendler im Vergleich 2015
Pendler
(2015)
Einpendler Auspendler Pendlersaldo
Regen +20,0 % +29,9 % -7,1 %
Freyung-Grafenau +18,9 % +38,3 % -13,5 %
Bayern +6,1 % +5,1 % +0,7 %
GLEICHBERECHTIGUNG

Männer und Frauen gehen zur Arbeit. Natürlich. Und natürlich gibt es auch Menschen, die an einem veralteten Familienbild festhalten, und damit verbunden an einer frauenfeindlichen Rollenaufteilung. Dass solche Ansichten jeder Realität entbehren muss nicht erläutert werden.

Fakt ist aber leider auch, dass es auch heute noch eklatante Unterschiede in der Bezahlung gibt. Man spricht hier von der Gender Pay Gap, also der Lohnlücke zwischen den Geschlechtern. In Bayern liegt diese immer noch bei rund 17 Prozent, bei uns sogar bei rund 24 Prozent. Das heißt ganz einfach: Eine Frau bei uns im Wald arbeitet jedes Jahr erstmal bis Ende März umsonst; danach darf sie auch Geld verdienen.

Ist es nun verwunderlich, dass junge Familien hier nicht Fuß fassen? Wohl nicht. Die aktive Förderung der Gleichbehandlung von Männern und Frauen ist ein notwendiger Bestandteil der Modernisierung des Bayerischen Waldes. So selbstverständlich es klingen mag, aber davon sind wir aktuell noch sehr weit entfernt. Hier müssen wir umdenken. Und davon profitieren alle, nicht nur die Frauen.

Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen 2016
  • Regen
  • FRG
  • Bayern

Werte ermittelt anhand des Median-Bruttomonatsentgelts

Höhere Löhne bedeuten mehr Ausgaben in die Wirtschaft – wer mehr Geld hat, kann sich mehr kaufen. Das wäre in doppelter Hinsicht ein Zugewinn für unsere Region: Einerseits erhöht sich dadurch der Umsatz in unseren Geschäften und Betrieben. Das wiederum trägt zum Erhalt bzw. der Schaffung neuer Arbeitsplätze bei und führt gleichzeitig zu mehr Einnahmen der Gemeinden (durch Steuern). Andererseits sind gut bezahlte Jobs schlicht attraktiver als schlecht bezahlte; eine Möglichkeit, dem Wandel unserer Gesellschaftsstruktur aktiv entgegenzuwirken.

Doch der wichtigste Punkt: es geht um Gerechtigkeit. Warum soll die gleiche Arbeit bei uns weniger wert sein als anderswo? 

KOMMUNALER FINANZAUSGLEICH

Große Pressemitteilung: Der kommunale Finanzausgleich 2018 erreicht einen neuen Rekord. 9,5 Mrd. Euro mehr für unsere Kommunen. Aha. Man könnte ja glatt meinen, dass man uns doch noch auf der Landkarte gefunden hat, so brüstet man sich neuerdings auch mit der Förderung des ländlichen Raums. Doch schauen wir uns die Zahlen einmal etwas genauer an:

In Bayern steigt von 2017 auf 2018 die Schlüsselzuweisung durchschnittlich um 8,95 Prozent. Schlüsselzuweisungen sind einfach ausgedrückt der Anteil am Finanzhaushalt, der den Kommunen zusteht. Es sind keine Fördermittel oder Geschenke, sondern unser Stück vom Kuchen. Grundsätzlich heißt das tatsächlich mehr Geld für alle Kommunen, auch für unsere beiden Landkreise. Allerdings müssen wir uns mit rund 2,4 Prozent weniger Steigerung vergnügen als der Rest Bayerns.

Das gleiche Ergebnis zeigt sich auch, wenn man die Fläche (ohne die gemeindefreien Gebiete) betrachtet: Während wir 2,64 Prozent der bayerischen Gesamtfläche einnehmen, so erhielten wir 2017 nur 2,17 Prozent der Schlüsselzuweisungen, 2018 sogar nur 2,12 Prozent. So sieht die Förderung des ländlichen Raums in Wirklichkeit aus. Bravo!

Steigerung der Schlüsselzuweisungen von 2017 zu 2018 in Prozent

ZAHLEN IM VERGLEICH

Ich möchte Ihnen gerne einige Zahlen präsentieren, die Auskunft über unsere Situation geben. Klar muss sein, dass wir in vielen Bereichen nie den direkten Anschluss an den bayerischen Durchschnitt erreichen werden. Wir sind nicht München oder Nürnberg. Die Landwirtschaft spielt bei uns eine bedeutendere Rolle als anderswo in Bayern, unsere Wirtschaft ist mehr durch Handwerksbetriebe als durch Schwerindustrie geprägt. Und das ist auch gut so.

Aber klar muss auch sein, dass wir zum Gesamtbild unseres Landes beitragen. Wir wahren Traditionen – vieles von dem, was anderswo schon fast vergessen ist, lebt bei uns fort. Sich eine Lederhose überzuziehen und von Heimat zu schwafeln reicht nicht, die Wirklichkeit ist weniger bequem. Eine ehrliche Politik steht dazu und fördert das Leben und den Erhalt dieser Regionen.

Kritisch, aber realistisch, sollte man sich darum folgende Vergleiche vor Augen halten:

2016 REG FRG Bayern
Gemeindeschulden pro Einwohner 1 435 € 1 115 € 791 €
61 %

mehr


im Schnitt für Regen und Freyung-Grafenau im Vergleich zu Bayern

Was heißt Gemeindeschulden?

2015 REG FRG Bayern
Gewerbesteuer (netto) pro Einwohner 294 € 240 € 568 €
53 %

weniger


im Schnitt für Regen und Freyung-Grafenau im Vergleich zu Bayern

Was heißt Gewerbesteuer?

2015 REG FRG Bayern
Verfügbares Einkommen pro Einwohner 20 331 € 19 906 € 23 658 €
15 %

weniger


im Schnitt für Regen und Freyung-Grafenau im Vergleich zu Bayern

Was heißt verfügbares Einkommen?

2015 REG FRG Bayern
Steuereinnahmen pro Einwohner 869 € 783 € 1 376 €
40 %

weniger


im Schnitt für Regen und Freyung-Grafenau im Vergleich zu Bayern

Was heißt Steuereinnahmen?

2015 REG FRG Bayern
verfügbare Deckungsmittel pro Einwohner 1 372 € 1 195 € 1 742 €
26 %

weniger


im Schnitt für Regen und Freyung-Grafenau im Vergleich zu Bayern

Was heißt verfügbare Deckungsmittel?

2015 REG FRG Bayern
BIP pro Einwohner 28 876 € 26 581 € 42 950 €
35 %

weniger


im Schnitt für Regen und Freyung-Grafenau im Vergleich zu Bayern

Was heißt BIP?

2016 REG FRG Bayern
Einzelhandelsumsatz pro Einwohner 5 104 € 4 939 € 6 144 €
18 %

weniger


im Schnitt für Regen und Freyung-Grafenau im Vergleich zu Bayern

Was heißt Einzelhandelsumsatz?

2017 REG FRG Bayern
Einzelhandelsrelevante Kaufkraft pro Einwohner 6 056 € 5 993 € 6 940 €
13 %

weniger


im Schnitt für Regen und Freyung-Grafenau im Vergleich zu Bayern

Was heißt einzelhandelsrelevante Kaufkraft?

2014 REG FRG Bayern
Betriebsergebnis pro Einwohner -8 € -15 € +94 €
112 %

weniger


im Schnitt für Regen und Freyung-Grafenau im Vergleich zu Bayern

Was heißt Betriebsergebnis?

2014 REG FRG Bayern
Gewinn/ Verlust pro Einwohner -14 € -28 € +30 €
170 %

weniger


im Schnitt für Regen und Freyung-Grafenau im Vergleich zu Bayern

Was heißt Gewinn/ Verlust?

Mit Ausnahme des Punkts „Gemeindeschulden“ beziehen sich die angebenene Werte auf den Durchschnitt der Landkreise. Dabei steht „Bayern“ für den Mittelwert aller bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte (und nicht für den bayerischen Landeshaushalt selbst).
AUSBLICK

Die fehlende wirtschaftliche Stärke einer Kommune zeigt sich natürlich nicht nur in Zahlen und nicht nur darin, dass es keine oder wenige große Betriebe gibt. Sie zeigt sich unmittelbar an Leerständen auf Stadtplätzen, Geschäftsschließungen von Gaststätten und kleinen Handwerksbetrieben usw. Sie zeigt sich darin, dass junge Erwachsene ihre Heimat verlassen müssen, damit aus ihnen „etwas wird“. Sie zeigt sich langfristig in der Bevölkerungsstruktur. Der Fehler liegt hier wahrlich im System. Die Schlüsselzuweisungen reichen hinten und vorne nicht, stattdessen sind wir auf Fördermittel angewiesen, welche uns aber gleichzeitig ein Spardiktat auferlegen, das uns daran hindert, uns aus eigener Kraft aus dieser Lage zu befreien. Nicht umsonst schlug vor wenigen Jahren der Zukunftsrat der Landesregierung vor, uns doch Tschechien oder Österreich anzugliedern. Profitiert hätte davon nur der Freistaat, der sich mit schöneren Zahlen hätte schmücken können.

Die nachstehenden Karten des Landesamts für Statistik verdeutlichen unsere – nicht nur geographische – Randlage in Bayern.

Anmerkung:

Bei den hier verwendeten Daten handelt es sich um die aktuellsten, frei zugänglichen Informationen aus dem Internet. Jeder Leser soll die Möglichkeit haben, sich unabhängig von dieser Seite selbst einen Überblick zu verschaffen. Herangezogen wurden dabei öffentliche Statistiken und Prognosen, um größtmögliche Neutralität zu gewährleisten.

Quellen:

Bayerisches Landesamt für Statistik

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bayern

Strukturdaten 2017. Standort Niederbayern

Lehrerbedarfsprognose 2017

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Statistik kommunal 2017

Wegweiser Kommune